Die Chancen des „Ambulanten Dreiecks“

Die inkomm GmbH bietet an acht Standorten in NRW ambulante Eingliederungshilfe, insbesondere Ambulant Betreutes Wohnen. Seit 2025 ergänzt das in Duisburg ansässige Sozialunternehmen sein Portfolio um Ambulante Psychiatrische Pflege (APP), erbracht von der organisatorisch getrennten inkomm.care GmbH. In 2026 soll sich Soziotherapie hinzugesellen. Sie schließe eine „Angebotslücke“, sagt Geschäftsführer Tammo Arndt und skizziert die Vorteile dieses Leistungs-„Dreiklangs“.
Hört man Geschäftsführer Tammo Arndt zu, wenn er über Ausrichtung und strategische Entwicklung seines Unternehmens spricht, kommen keine Zweifel auf: Hier hat ein Unternehmen offenbar eine klare Vision davon, wie es mit einem möglichst breiten ambulanten Leistungsportfolio erfolgreicher Leistungsanbieter für Menschen mit psychischen Erkrankungen und/oder Behinderung sein will. „Wir wollen das gesamte ambulante Leistungsangebot abdecken. Und es ist zugleich eine unternehmerische Chance, wenn man in einem möglichst breiten Portfolio denkt – denn ändern sich die Rahmenbedingungen in einem Segment, kann ein anderes dies unter Umständen auffangen“, sagt Arndt.
Mit der inkomm GmbH ist Arndt seit einigen Jahren Mitglied im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Die Mehrzahl der im bpa organisierten Unternehmen sind Anbieter aus der ambulanten und stationären Langzeitpflege. Doch zunehmend sind auch Akteure aus der privaten Behindertenhilfe in dem bundesweit tätigen Unternehmensverband organisiert. Den Vorteil privatwirtschaftlicher Betreuungsunternehmen in der Behindertenhilfe sieht Tammo Arndt darin, dass „Privatanbieter meist kleinere, agile Einheiten darstellen, die schnell und prospektiv auf Hilfebedarfe und Veränderungen reagieren können“.
Die Bereiche organisatorisch „strikt trennen“

Ein Beispiel für diese unternehmerische Agilität ist der Aufbau eines Leistungssegments Soziotherapie nach §37a SGB V, den Arndt derzeit bei inkomm mit Nachdruck betreibt. Die Soziotherapie bildet so gemeinsam mit dem Ambulant Betreuten Wohnen (SGB IX, Eingliederungshilfe) und der Ambulanten Psychiatrischen Pflege (APP, §37 SGB V) ein „Ambulantes Dreieck“ an Leistungen, das „es uns ermöglicht, unsere Klientinnen und Klienten optimal, bedarfs- und zielgenau zu versorgen“, so der Unternehmer. Dieser ambulante Versorgungs-„Dreiklang“, wie Arndt ihn auch bezeichnet, biete nicht nur den erkrankten Menschen die Möglichkeit, in der eigenen Häuslichkeit trotz ihrer Einschränkungen zu bleiben und sichere so deren soziale Teilhabe. Die facettenreiche ambulante Versorgung sei auch für die Kostenträger – seien es Krankenkassen (SGB V) oder z. B. Landschaftsverbände (SGB IX) – die kostengünstigere Alternative zu stationären Aufenthalten.
Unternehmensorganisatorisch ist der Schritt, Leistungen verschiedener Kostenträger anzubieten, von Beginn an jedoch gut zu planen. „Natürlich sollte man das erstmal anhand seiner eigenen Klienten-Struktur für sich durchprüfen, ob so ein Portfolio-Ausbau Sinn macht. Auch muss man sich die Frage beantworten, ob man die passend qualifizierten Mitarbeitenden im Team hat oder ob man diese realistischerweise findet“, rät Arndt. Ist der Entschluss dann gefallen, neben Eingliederungshilfe auch APP und/oder Soziotherapie anzubieten, lautet der nächste Rat, den Bereich Soziotherapie auf jeden Fall „auszugliedern“, also „organisatorisch und unternehmensrechtlich strikt zwischen den Bereichen zu trennen“. In der Praxis sei das aber „absolut händelbar“, meint Geschäftsführer Arndt.
Soziotherapie: Vertragsabschluss mit Primärkassen in NRW
Bei der inkomm GmbH, die in den letzten Jahren durch den Zukauf mehrerer kleinerer privater Sozialunternehmen „stetig organisch und anorganisch“ gewachsen sei, konnten sich die Verantwortlichen die oben genannten Fragen alle positiv beantworten. Der Schritt, strategisch auch in die Soziotherapie mit einem Leistungsangebot einzusteigen, wurde dem Unternehmen Anfang dieses Jahres aber auch dadurch erleichtert, dass der bpa in Nordrhein-Westfalen mit den Primärkassen einen Versorgungsvertrag über das Erbringen von Soziotherapie abschließen konnte. Tammo Arndt findet diesen Vertragsabschluss „spannend und unglaublich wichtig und gut“ aus Sicht der Leistungserbringer in NRW. Der Vertrag biete den Anbietern nun eine „sehr gute Ausgangsposition“, die Leistung aufzubauen, denn die vereinbarten Rahmenbedingungen böten den Unternehmen Chancen, eine gute Dienstleistung anzubieten.
Auch hinsichtlich des Bedarfs und des benötigten Personals sieht das Duisburger Unternehmen keine Hindernisse, das skizzierte Leistungsdreieck perspektivisch weiter erfolgreich ausbauen zu können. „Wir verzeichnen zweistellige Wachstumsraten bei den psychischen Erkrankungen und was die Hilfeangebote angeht. Also einen signifikant starken Anstieg“, erklärt Arndt. Verantwortlich für diesen Nachfrageanstieg nach Unterstützungsleistungen macht er u.a. multiple Krisenerfahrungen (Corona, Kriege, Zukunfts- und Versagensängste etc.), die viele Menschen in jüngerer Vergangenheit teils zeitgleich belasten. Die Menschen - in der Altersstruktur zwischen 20 und 70 Jahren – kämen zum Teil persönlich auf die inkomm GmbH zu. Daneben agierten Psychiatrische Kliniken und rechtliche Betreuer als wichtige Zuweiser.
Zweifel, diesen wachsenden Bedarf bedienen zu können, hat Geschäftsführer Arndt nicht. Denn Personalengpässe plagen ihn offenbar nicht. „Wir haben mit insgesamt rund 175 Mitarbeitenden über alle Leistungsbereich hinweg eine Größe erreicht, die uns relativ entspannt agieren lässt, wenn Anfragen kommen.“ Und wenn Versorgungsanfragen kommen, gehen die Teams oft auch sofort in die Versorgung – selbst dann, wenn noch keine Kostenzusage vorliegt. „Befindet sich ein Mensch in einer akuten Krisensituation, können wir darauf nicht warten.“ Das Restrisiko, auf den Versorgungskosten ggf. sitzenzubleiben, trägt dann das Unternehmen.
In der Soziotherapie gäbe es bestimmte Qualifizierungserfordernisse im Bereich Soziale Arbeit. „Hier muss man sich Gedanken machen, ob man die Menschen im Unternehmen hat und ob man die ggf. entsprechend nachqualifizieren kann.“ Aber das seien keine „unglaublich hohen Hürden“, sagt Arndt auch mit Blick auf das mit den Kassen in NRW geschlossene Vertragswerk. „Das ist nichts, was man nicht schaffen kann!“, macht er anderen Branchenakteuren Mut.
Bei inkomm herrsche ein gutes Teamklima, das ein flexibles Umgehen, sei es mit Klientenanfragen, neuen Leistungen, Nachqualifizierungen oder neuen Angebotsfeldern - erst möglich mache. „Wir haben fast keine Fluktuation, bieten den Mitarbeitenden - darunter HEP, Pflegefachfachkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Pädagogen, Sozialarbeiter etc. - viele Benefits und haben uns so mittlerweile eine große Fan-Base erarbeitet. Viele unserer Mitarbeitenden sind bei uns, weil wir ihnen als Arbeitgeber schlicht empfohlen wurden“, freut sich Arndt.
Im Bereich der Eingliederungshilfe und der Soziotherapie sieht er so derzeit keine Rekrutierungsschwierigkeiten. Für den Bereich der Ambulanten Psychiatrischen Pflege (APP), schränkt er ein, dass hier die Fachkräfte mit den erforderlichen Qualifikationen „nicht wie Sand am Meer“ zu finden seien. Aber auch hier ist er bester Dinge, dass dieser Bereich wie die anderen auch prosperieren werde. Die etablierten Unternehmensstrukturen, das Wachstum und das aufgebaute Know-how sprächen hier für sich und werden getragen von der eingangs erwähnten klaren Vision, die Geschäftsführer Arndt abschließend so zusammenfasst: „Wenn wir was machen, dann machen wir es auch richtig!“

Weitere Informationen: www.inkomm-bewo.de
Aus der BeWoPlaner-Redaktion
Text: Darren Klingbeil
Titelbild: Adobe Stock, Porträt & Logo: inkomm GmbH